Israles neue Hauptstadt?

Eigentlich nicht, denn schon 1980 hat Israels Parlament Jerusalem als Hauptstadt ernannt. Das wurde aber bis jetzt von den meisten Staaten nicht anerkannt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat vergangenes Jahr die Verlegung der US-Amerikanischen Botschaft nach Jerusalem bekannt gegeben. So zeigt er, dass er Jerusalem als Hauptstadt Israels akzeptiert. Dieser Umzug ist heute endgültig und wird einerseits gefeiert und andererseits als einen Schritt in die falsche Richtung gesehen.
Denn vor Jerusalem war seit der Gründung des Staates Israel 1948 Tel Aviv die Hauptstadt. Das Problem, Jerusalem als Hauptstadt zu ernennen, ist der ewige Konflikt zwischen den Palästinensern und Israelis. 1967 eroberte Israel den palästinensischen Ostteil von Jerusalem. Palästinenser fordern nun diesen Ostteil als Hauptstadt eines zukünftigen eigenen Staates.
Alles also keine guten Vorraussetzungen für ein fröhliches und schrilles Event, mit vielen weltoffenen Fans, wie den Eurovision Song Contest.

Die Traum-Hauptstadt

Im Gegensatz dazu steht das tolerante, innovative Tel Aviv. Bekannt auch als beliebter Reiseort und sehr LGBT-freundlicher Ort. Auch Netta ,die diesjährige Siegerin, repräsentiert eher diese moderne Ansicht, als die konservative in Jerusalem.
Vor 20 Jahren gewann die israelische Dana International als erste Transsexuelle den Contest und wurde zum Vorbild vieler in der israelischen Schwulen- und Lesbenszene. Und auch Netta setzt ein Zeichen mit ihrem Song, der sehr auf eine starke, selbstbewusste Frau eingeht und in die Zeit der #MeToo Bewegung passt.

Zukunftsprognose

Die logischste Wahl für die Austragung des Songcontests 2019 wäre also Tel Aviv, doch Israels Regierung wird wohl ein politisches Statement in Jerusalem zeigen wollen und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte schon öffentlich: „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Und auch beim Sieg von Dana wurde der Eurovision Song Contest 1999 in Jerusalem veranstaltet.

 

Titelbild: „Netta“ by Wouter van Vliet, EuroVisionary, CC BY-SA 4.0.

2 Kommentare

  1. Auch die letzten ESC’s, die in Israel ausgetragen wurden, haben in Jerusalem stattgefunden, warum sollte also nicht der nächste auch dort stattfinden? Außerdem ist das rein eine Entscheidung des israelischen Fernsehens, sonst geht das niemanden was an. Ich denke, in Österreich und beim ORF hätte man sich sehr gewundert, wenn aus dem Ausland Vorschläge gekommen wären, wo der Contest angemessen ausgetragen werden könnte.

  2. „Tradition ist, dass der Songcontest in der Hauptstadt stattfindet“… So zum Beispiel Malmö, Göteborg, Bergen, Düsseldorf, München, Frankfurt, Brighton, Edinburgh, Millstreet, Lugano, Lausanne, Cannes, Hilversum, Neapel,… allesamt Staatshauptstädte in denen der Songcontest stattfand. Wäre Tel-Aviv nicht eher Tradition?

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