„Es ist halt einfach anders.“ Matura mit Virus – Ein Maturant klärt auf.

Quelle: Privat

In etwa einem Monat ist es soweit: Für rund 42.000 Maturant*innen in Österreich geht es am 25. Mai zurück in die Klassenzimmer und ran an die Prüfungsbögen.

Aufgrund der aktuellen Krise war lange nicht sicher, ob es dieses Jahr überhaupt einen ordentlichen Schulabschluss geben wird. Anfang April hat das Bildungministerium nun eine abgeschlankte Version der Matura präsentiert: Drei Fächer schriftlich, strenge Sicherheitskontrollen und eine mündliche Prüfung auf freiwilliger Basis.

Wie aber stehen Maturant*innen zu dieser neuen Lösung?
Ich habe mit dem 18-jährigen Samuel aus der HTL Neufelden in Oberösterreich gesprochen.

Was waren deine ersten Gedanken, als es hieß: Es ist nicht sicher, ob die Matura stattfindet?

Der erste Gedanke war: Wie geht es jetzt weiter? Das war lange Zeit nicht klar und eigentlich ist es jetzt auch nicht hundert Prozent sicher. Kommt eine zweite Welle? Keine Ahnung.

„Du lernst halt immer auf einen Tag hin. Der kommt aber nicht.“

Wie haben sich diese letzten Wochen für dich gestaltet?

Die Vorbereitung zur Matura ist extrem schwierig. Wenn man Fragen hat dauert alles ewig bis man eine Rückmeldung bekommt. Es hat sich dann langsam eingespielt, aber so richtig gut vorbereitet fühle ich mich eigentlich nicht.

Inwiefern denkst du wirkt sich die Home-Schooling-Zeit auf deinen Schulabschluss aus?

Für mich persönlich habe ich keine großen Bedenken. Aber ich denke, dass sehr Viele Schwierigkeiten haben, wenn sie vielleicht ihren Computer mit Geschwistern teilen müssen, nicht immer einwandfreies Internet zur Verfügung steht, oder das Lernen allgemein nicht so leichtfällt. Das ist schon ein schwieriger Punkt, glaube ich.

Wie geht deine Schule mit der Krise um? Bist du zufrieden?

Es ist nicht so, dass nur wir im Ungewissen sind. Auch den Schulen fehlt Information. Darum ist es, denke ich, auch sehr schwierig für die Schulleitung etwas vorzubereiten. Grundsätzlich werden wir aber so gut wie möglich informiert.

Wie stehst du nun zur aktuellen Lösung des Bildungsministeriums? Hast du Bedenken oder Sorgen?

Ich glaube, dass es schriftlich mit den drei Maturafächern keine große Umstellung ist. Auch die Zusammensetzung der Maturanote aus fünfzig Prozent Reifeprüfung und fünfzig Prozent der Note aus dem Abschlusszeugnis finde ich in Ordnung. Bei der freiwilligen mündlichen Matura ist es anders: Ich überlege in Englisch anzutreten, wäre aber der Einzige aus der Klasse. Hier ist schon auch ein sozialer Druck da. Man sagt dann: Ok, dann mach ich es halt auch nicht.

Wie würdest du als Schüler das Krisenmanagement der Regierung allgemein, insbesondere aber im Bildungsbereich, beurteilen?

„Der größte Fehler war, dass man nie ordentlich informiert wurde.“

Viele Eltern sind zu Hause im Home-Office ohne zu wissen was passieren wird. Ich denke gerade am Land ist das ein Problem. Da ist auch oft sozialer Druck zu spüren. Du solltest eigentlich arbeiten gehen, andererseits bist du im Ort dann der- oder diejenige, die ihr Kind nicht betreuen kann. Vieles war unklar, gerade auch die Pressekonferenzen vom Herrn Bildungsminister.

„Er hat geredet, aber man wusste nicht was er meint.“

Was meiner Meinung nach schon gelungen ist, ist eine gute Maturavorbereitung zu schaffen, zumindest für den AHS-Bereich. Für berufsbildende Schüler*innen trifft das eher nicht zu, es wurde immer nur von den achten Klassen gesprochen.

„Da habe ich mir gedacht, er weiß nicht einmal, dass es uns gibt.“

Die Dinge die du mitbekommst kommen eigentlich nicht direkt vom Bildungsministerium, sondern sickern zwei, drei, Stunden nach einer Pressekonferenz langsam durch die Medien durch. Irgendwann muss man mal sagen: So ist es.

Grundsätzlich hat die Bundesregierung, aber gut in der Krise agiert und ihren Job erfüllt.

Wenn du jetzt Bildungsminister wärst, was würdest du anders machen?

Ich kann erst dann zu den Leuten gehen, wenn ich weiß, wie es weiter geht. Was tun wir, wie weit sind wir, was ist in der derzeitigen gesundheitlichen Situation möglich. Wirklich genaue Ziele setzen und einen klaren Weg präsentieren.

Das Ende deiner Schulzeit – eine emotionale Zeit. Durch die Corona-Krise ist jetzt alles etwas anders als erwartet. Denkst du wird es für dich gefühlsmäßig jetzt einen Unterschied geben?

Es ist ein ganz anderes Gefühl, aber ich könnte jetzt nicht sagen es ist positiver oder negativer. Es ist halt einfach anders. Jeder hat sich darauf einstellen müssen. Natürlich hätten wir uns alle auf die Maturareise gefreut, auf das gemeinsame Feiern. Auch eine Maturavorbereitung mit den Lehrkräften in der Schule hätte uns womöglich Vorteile gebracht. Andererseits hat man jetzt dafür die Zeit sich selber mit dem Prüfungsstoff auseinanderzusetzen. Im Großen und Ganzen ist es weder positiv, noch negativ.

Dein Fazit zur Matura 2020:

„Wir werden das schaffen, man muss das positiv sehen.“

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