Die katastrophalen Ergebnisse lassen an dem neuen System der Zentralmatura zweifeln. Dessen Ziel war es ursprünglich, die Matura für alle Schüler gleich zu gestalten: Gleiche Aufgaben, gleicher Schwierigkeitsgrad, gleiche Benotung. An sich eine gute Idee. Doch der plötzliche Umstieg vom alten System auf das Neue, überforderte nicht nur viele Schüler, sondern auch Lehrer.

Aus für die Zentralmatura?

Es müssen dringend neue Pläne umgesetzt werden, die den Fokus auf die Bedürfnisse der Schüler legen. Bundesminister Faßmann kündigte an, das System der Zentralmatura unter die Lupe zu nehmen. Das soll gemeinsam mit den Schulpartner erfolgen. Die Bundesschülervertretung hatte schon längst bessere Regelungen gefordert. Sie zeigten sich über die Idee der künftigen Zusammenarbeit erfreut. Am Grundkonzept der Matura möchte Faßmann jedoch nichts ändern.

Schein-Änderungen?

Erste Ideen wären unter anderem die Kürzung der elendslangen Angabetexte der Mathematikaufgaben. Die kommen ja schon fast einer Deutschklausur gleich. Auch das Beurteilungsschema soll ein klareres System bei der Punktevergabe bekommen. Der Fokus der Matheklausur wird künftig stärker auf Verständnis und Kompetenz gelegt. Der Katalog der Grundkompetenzen in Mathematik muss auch noch überarbeitet werden. Ob diese Änderungen etwas bewirken, werden wir wohl erst in den nächsten Jahren sehen…

So viele Fetzen wie noch nie

Viele der Schüler, die an der Mathe-Matura scheiterten, konnten sich durch die Kompensationsprüfung gerade noch retten. Das führte jetzt aber zu überdurchschnittlich vielen Vierern in den Zeugnissen. Das Problem ist, dass der Schwierigkeitsgrad der Matura nicht so gewählt ist, dass er wirklich für alle zu schaffen ist. Das ist nicht nur zwischen den Schulen, sondern auch zwischen den einzelnen Klassen zu erkennen. Somit wird die Zentralmatura ihrem Namen noch nicht gerecht. Die Vorbereitung unterscheidet sich innerhalb von Österreich immer noch zu stark. Im Österreich-Vergleich liegen acht der zehn schlechtesten Schulen in Wien – jedoch auch zwei der zehn besten.

Bildnachweis: Amina Al-Rawi

2 Kommentare

  1. Ich habe 2016 als erster Jahrgang die Zentralmatura gehabt. Ich habe ohne zu Lernen in Mathe einen 3er bekommen. Wir haben auch die Matura vom Vorjahr, welche von den Lehrern zusammengestellt wurde, probiert. Hier wäre ich durchgefallen. Das Niveau der Zentralmatura ist also im Vergleich mit den Prüfungen der Vorjahre gesunken. Ich habe mir die heurige Matura und die vom Vorjahr angeschaut und muss sagen dass die Aufgaben noch leichter wurden.
    Ich finde es eine Frechheit dass sich alle über die Matura aufregen obwohl das Niveau in den letzten drei Jahren rapide gesunken ist. Meiner Meinung nach liegt das Problem bei den Lehrern die den Schülern nichts beibringen und nicht bei der Matura.

  2. Bildung kann und darf NICHT zentralisiert werden. Jeder Mensch, jeder Schüler, hat ein individuelles Interesse an den einzelnen Themengebieten, die zur Matura angeboten werden und damit auch individuelle Stärken. Ich kämpfe mich bereits seit Jahren durch die Berufsreifeprüfung, habe in Deutsch mit Sehr Gut, in Englisch mit Befriedigend und in Gesundheit & Soziales, trotz fehlender Interesse, mit Genügend abgeschlossen.
    Bis Mathenatik kam. Ich bin schon in der Hauptschule mit Ach und Krach durch die Mathematik gezogen, hatte kleine Erfolgserlebnisse in der, für mich greifbaren Fachmathematik in der Berufsschule und verzweifelte wieder an der Abendschule an Funktionen, Gleichungen und Kurven. Keine der drei genannten werden mir in dem Studienweg den ich gerne einschlagen würde begegnen. Keine werde ich jemals in meinen zukünftigen Berufsleben, wohin es sich auch entwickeln wird, je brauchen. Lasst mich in Geschichte antreten, in Religion, in Latein! Das sind meine Hobbys, hier habe ich mir autoditaktisch bereits ein großes Wissen angeeignet, dies will ich studieren, darum kämpfe ich mich seit Jahren fruchtlos durch die Mathematik! Bildung darf nicht zentralisiert werden sondern muss im Gegenteil weiter individuallisiert werden!

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