Was ist eine überbetriebliche Lehrausbildung?

Wenn ein Jugendlicher bereits seit längerer Zeit erfolglos auf der Suche nach einer Lehrstelle ist, wird er nach einer gewissen Zeit vom AMS an eine überbetriebliche Lehrstelle weitergeleitet. Einrichtungen wie diese sind also sozusagen ein Auffangnetz. Bis der betroffene Jugendliche eine Lehrstelle in einem regulären Betrieb findet, kann er seine Lehre dort machen. Der Ablauf in der „ÜBA“ ist der gleiche, wie in einer gewöhnlichen Lehre: Berufsschule und Arbeit im Betrieb mit allem was dazu gehört – auch einem monatlichen Entgelt. Wir konnten ein Interview mit Mag. Reinhard Weidinger, Leiter der Lehranstalt „Weidinger & Partner“, führen. Er findet es auch sehr wichtig, dass überbetriebliche Lehrlinge ein monatliches Entgelt bekommen.

„Wir versuchen, indem wir arbeiten, einen Betrieb zu simulieren. So auf die Art: Du bist nicht in der Schule, du bist nicht in einem Kurs, sondern du bist in der Arbeit.“

Wenn ein Lehrling im Laufe seiner überbetrieblichen Lehre keine gewöhnliche Lehrstelle findet, dann kann er die Lehrabschlussprüfung auch in der ÜBA absolvieren.

Ist eine Kürzung der Förderung sinnvoll?

Ziel einer ÜBA: Möglichst viele ihrer Lehrlinge möglichst bald an eine gewöhnliche Lehrstelle zu vermitteln. Zu diesem Zweck sieht Weidinger die Kürzung des Entgelts für überbetriebliche Lehrlinge als etwas Gutes.

„Die Kürzung gibt einen Anreiz für die Jugendlichen: sich um eine reguläre Lehrstelle zu bemühen. Kein Jugendlicher würde auf den ersten Lehrstellenmarkt wechseln, wenn er bei uns gemütlichere Arbeitszeiten und das gleiche, oder sogar mehr verdient.“

In der ÜBA Weidinger & Partner werden rund 40% der Lehrlinge weitervermittelt.

Mehr als nur eine Lehre

In den letzten Jahren wurden die Eintretenden zunehmend älter. Das lässt sich auch auf die Flüchtlingssituation zurückführen: Es macht schließlich Sinn, wenn ein 25-jähriger Afghane eine Lehrausbildung macht – auch wenn er schon 25 ist. „Ursprünglich waren vor allem jüngere Jugendliche hier, weil’s eine Überbrückung bis zu einer Lehrstelle war, jetzt haben ÜBAs halt auch eine zusätzliche Funktion.“ Weidinger betont außerdem, dass potenziell die meisten überbetrieblichen Lehrlinge aus sozial schwächeren, vor allem bildungsfernen Haushalten kommen, oftmals haben diese auch Migrationshintergrund. Gerade deshalb ist es für Weidinger besonders wichtig, seine stärkeren, besseren Lehrlinge frühestmöglich weiterzuvermitteln:

„Mir bleiben dann die schwächeren. Mit denen kann ich dann mehr üben.“

Und eine geübte Fachkraft hat schlussendlich auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.