„Gehts dem einen gut, gehts uns allen gut“

Nun hat sie es endlich wieder einmal geschafft: Seit 2012 hat der Youtube Channel der Wirtschaftskammer keinen Klick-Hit mehr gelandet. „Willkommen in der neuen Welt der Arbeit“ beschert zwar Aufrufe, macht den 12 Stunden Tag aber wohl auch nicht beliebter. 

Gewerkschaften und die Arbeiterkammer schlagen bereits seit Wochen wegen der nun in Kraft tretenden Regelung Alarm.

Überstunden sind Pflicht

Verschwiegen wird, dass Überstundenleistung grundsätzlich Pflicht ist. Die 11. und 12. Stunde kann also nicht abgelehnt werden, ausser es können vom Arbeitnehmer schwerwiegende Gründe dafür nachgewiesen werden.

Davor war es umgekehrt: Der Arbeitgeber konnte bereits einen 12 Stunden Arbeitstag bzw eine 60 Stunden Woche in gesetzlich exakt festgelegten Fällen verlangen. Der Arbeitgeber musste aber die grosse Notwendigkeit beweisen.

Dass der Arbeitgeber jetzt jederzeit den Arbeitstag verlängern kann, tut die WKO als Vorurteil ab – ohne aber klare Richtlinien (von „rechtzeitig“ ist die Rede) zu präsentieren.

Die Gleitzeitfalle

Im Video werden auch die Überstundenzuschläge gepriesen. Dass alle, die Gleitzeit arbeiten, jetzt aber massiv in die Bredouille schlittern, wird unter den Tisch gefegt.

Die 11. und 12. Stunde musste früher, wenn sie doch einmal eintritt, immer mit 50% Zuschlag ausgeglichen werden. Mit der neuen Regelung sind auch diese zwei Stunden normale Gleitstunden. Wenn der nächste Monat also einmal weniger Aufträge hat, können diese Stunden zwangs-ausgeglichen werden und der Zuschlag geht einfach verloren.

Gleitarbeiter werden wohl zukünftig in auftragsstarken Monaten 60 Stunden die Woche hackeln und dafür in auftragsschwachen Zeiten entsprechend zwangspausiert.

Schutzmaßnahmen für den Arbeitnehmer gibt es da keine. Aber wie uns der unerwartete Sommerheit der Wirtschaftskammer lehrt: Wenigstens gehts dem Werner gut.