Hackeln mit leerem Magen

Asmea A. arbeitet Vollzeit als Kellnerin. Stundenlanges Laufen, Servieren von Speisen und Getränken, sowie Bedienen der Gäste mit permanentem Lächeln und einer freundlichen Umgehensweise – so lauten die Anforderungen. Dass das Kellnern nicht leicht ist, verstehen nur die, die selbst Teil der Gastronomie waren oder sind. Oft ist es sogar psychisch anstrengender als körperlich. Trotzdem spielen Essen und Trinken dabei eine wesentliche Rolle, da man für diesen Job viel Kraft und Energie benötigt. Asmea A. ist eine jener Musliminnen, die den Ramadan sehr ernst nimmt. Nun teilt sie uns mit, wie sie das Fasten und ihren Job unter einen Hut zu bringen versucht.

Ein Monat der Liebe, Geduld und Solidarität

„Es gibt standardfragen, wie zum beispiel: „Warum tust du dir das an?“, „Darfst du tagsüber nicht einmal wasser trinken?“ oder „Ist das überhaupt gesund?“, die ich mir jedes Jahr aufs Neue anhöre.“

Die junge Kellnerin ist bereits daran gewöhnt, solche Fragen beantworten zu müssen. Jedes Jahr erklärt sie ihren Kollegen und Freunden, die nicht islamischer Religion sind, wie Ramadan funktioniert und warum „sie es sich antut“. Während des Ramadans geht es um die Reinigung der Seele und des Körpers. Es wird dadurch auch Solidarität gegenüber den Armen gezeigt.

„Wir vergessen oft, wie gut es uns geht, beschweren uns über jede kleinigkeit und verlieren schnell die Geduld. Genau dies sollten wir während des ramadans versuchen nicht zu tun.“

Nicht jeder muss mitmachen

Schwangere, Alte, Kranke, Reisende, schwer Arbeitende und Kinder bis zum 14. Lebensjahr sind von der Fastenpflicht ausgeschlossen. Dennoch definiert jeder „schwere Arbeit“ auf andere Weise. Die Frage ist: „Gehören Kellner zur Gruppe der „schwer Arbeitenden“?“ Asmea A. ist der Meinung, dass das Kellnern im Zusammenhang mit Ramadan tatsächlich als schwere Arbeit definiert werden sollte, da es physisch anstrengend sei. Aber warum macht sie trotzdem beim Ramadan mit?

„Ich gebe zu, es ist nicht leicht, das essen, das ich serviere, anzuschauen und zu riechen. Auch die Hitze macht es zur zeit nicht einfacher. Ich mache trotzdem mit, da ich dadurch eine neue Geduld aufbaue und nach einer woche ist es sogar ganz easy.“

Schummeln ist erlaubt

Wenn man weiß, dass ein anstrengeder Tag bevorsteht, ist Schummeln erlaubt. Dazu muss vor und nach dem Fasten ein entsprechendes Gebet gesprochen werden – ebenso, wenn man einen oder mehrere Tage pausieren möchte. Diese Tage müssen jedoch auch nachgeholt werden.

„Letze woche habe ich einen Tag ausgesetzt. Ich hatte frühdienst und wusste genau, dass bei schönem wetter sehr viel los sein wird. An manchen tagen fühlt man sich einfach nicht so stark, weshalb es besser ist, nicht zu fasten und es lieber nachzuholen.“

Ständiger Stress, Servieren bei sommerlichen Temperaturen und das alles noch bestens gelaunt – so sieht Asmeas beruflicher Alltag aus und trotzdem hält es sie vom Ramadan nicht ab. Sie weiß, dass es gefährlich sein kann, da sie selbst Fälle kennt, in denen Muslime während des Ramadan aufgrund von Schwächeanfällen oder Kreislaufproblemen einfach umgekippt sind. Die junge Wienerin hat davor aber keine Angst und arbeitet weiterhin an ihren Zielen.