Wir leben in einer Gesellschaft, die sich nach außen hin gerne als unglaublich tolerant und liberal gibt. In den Köpfen von ganz Vielen aber herrschen nach wie vor Vorurteile und Angst vor dem Fremden, das außerhalb des Gewohnten und Bekannten liegt. Es scheint als würden Menschen seit jeher einen Sündenbock brauchen, jemandem dem sie die Schuld geben und vor dem sie Angst haben können. Waren es früher Juden, so sind es heute Moslems.

Attentäter, Fanatiker und Frauenunterdrücker: Glaubt man einschlägigen Medien und gewissen politischen Gruppierungen so sind Moslems der Inbegriff des Bösen. In jüngster Vergangenheit sprießen Filme, Bücher und Theaterstücke über Muslime wie Pilze aus dem Boden.

Wien ist multikulti und darauf sind wir auch sehr stolz. Zumindest wenn wir ein Foto in die sozialen Netzwerke posten können in welchem exotischen Restaurant wir essen waren. Doch was bedeutet es tatsächlich in dieser Zeit der muslimischen Glaubensgemeinschaft in Wien anzugehören? Ich habe mich im Zuge einer Straßenreportage umgehört:

„Mich wundert das ständige Interesse an meiner Religion!“

Serap ist 24 Jahre alt und in Wien geboren, ihre Eltern sind in den 80er Jahren nach Wien gekommen. „Ich fühle mich nicht anders, ich bin Wienerin und Muslima – Na und? Der einzige Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zu meinen christlichen Freundinnen den Speck im Burger immer abbestelle. Bei Leuten, die ich schon lange kenne und die wissen wie modern meine Familie ist, ist das auch kein Thema. Aber wenn ich jemand neues kennenlerne, dann fragen sie immer: Trägt deine Mutter ein Kopftuch? Isst du Schwein? Betest du täglich? Ich muss ehrlich gesagt sagen, mich wundert das ständige Interesse an meiner Religion, mir käme nie in den Sinn einen Christen zu fragen warum er Weihnachten oder Ostern feiert oder ein Kreuz um den Hals trägt. Es nervt mich schon ziemlich, am liebsten würde ich verschweigen, dass ich Muslima bin, aber natürlich kann man sich das aufgrund meines türkischen Namens sofort denken.“

„Wen stört es bitte, ob ich ein Kopftuch oder ein Haarband trage?“

Anders ist es bei Aylin, sie trägt ein Kopftuch und bekennt sich so auch optisch zu ihrem Glauben. „Wie oft ich schon blöd angemacht wurde, ob mein Vater mich zum Tragen des Kopftuches zwingen würde. Ich trage es mit Stolz und aus freien Stücken. Warum kann sich nicht jeder um seine Angelegenheiten kümmern? Wen stört es bitte ob ich ein Kopftuch oder ein Haarband trage? Wo liegt da der Unterschied? Ich verstehe, wenn die Menschen den Ganzkörperschleier ablehnen, man weiß ja wirklich nicht wer sich darunter verbirgt, aber das Kopftuch? Sorry, aber das verstehe ich nicht!“

„Nur weil man Moslem ist, heißt das noch lange nicht, dass man eine Bombe im Rucksack hat.“

Yusuf arbeitet seit 30 Jahren als Architekt in Wien, er ist gläubiger Moslem und hält beispielsweise streng Ramadan ein. „Die Lage der Moslems hat sich seit den Terroranschlägen, der Flüchtlingskrise und der neuen Regierung dramatisch verschlechtert! Früher warst du halt einfach Moslem, heute wirst du sofort als Fanatiker und Frauenverachter abgestempelt. Natürlich gibt es Verrückte, die Moslems sind, aber das ist ja wohl keine Grundvoraussetzung. Nur weil man Moslem ist, heißt das noch lange nicht, dass man eine Bombe im Rucksack hat. Ich hasse diese Verallgemeinerungen, ich sage ja auch nicht jeder Christ ist ein Kreuzzugkämpfer.“

Diskriminierung aufgrund religiösen Ansichten passieren in Wien, genauso wie überall auf der Welt, beinahe tagtäglich. Hierzu fällt mir ein Zitat von Michael Jackson ein: „Wenn du die Welt verbessern möchtest, sieh auf dich selbst und verändere dich!“ Jeder kann ein kleines Stück dazu beitragen um Diskriminierung, Hass & Rassismus zu verhindern und so für ein wirklich offenes und multikulturelles Wien zu sorgen.