Paradies oder Hölle? Wie das Landleben vor 1968 wirklich war

War früher alles besser? Dieses Jahr wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre 1968. Die 68er-Bewegung gilt als gesellschaftlicher, politischer und sozialer Wendepunkt und sorgt auch in der heutigen Zeit noch für Diskussionen: War sie entscheidend für den Weg in die moderne Gesellschaft? Oder hat die Revolution Wertverlust und den Zerfall familiärer Strukturen bewirkt?

Christiane wuchs in einem kleinen Dorf in Oberösterreich auf. Die Jahre bis 1968 waren die Zeit ihrer Kindheit, die sie nicht so nennen möchte. Fehlende Infrastruktur, kein Geld und die Abhängigkeit vom Mann, machten das Leben damals schwer für die jungen Frauen am Land.

Mit der Rodel zur Schule

Ein wichtiger Punkt für sie ist die damals fehlende Infrastruktur am Land. Die Kinder, die wie hier am Berg wohnten, gingen zu Fuß zur Schule. Im Winter, bei -15 Grad, waren die Mädchen mit Rock und Kleidern unterwegs. Hosen gehörten sich nicht für junge Mädchen. Sie stapften schwer durch den hohen Schnee ins Tal und kamen völlig durchnässt in der Schule an. Ein Auto war eine Rarität, zu der schlichtweg das Geld fehlte. Schulbusse gab es nicht und die hätten im Winter sowieso nicht in die abgelegenen Siedlungen fahren können. Wenn es morgens mal schneller gehen musste, wurden die Rodeln ausgepackt.

„Mit da Schlittgoaß (Anm.: Rodel) owi in d Schui und am Nochmittog hommas wieda hoam zong.”

Für die Kleinsten waren die langen Wege meist zu anstrengend. Christiane erinnert sich an die Mütter, die mit ihren 5 Kindern im Leiterwagen den Weg Richtung Ortsmitte auf sich nehmen musste. Eine Alternative gab es nicht.

Der See als Waschmaschinenersatz

Dazu kam, dass es in den Häusern Großteils kein fließendes Wasser gab. Die Wäsche wurde zuhause mit der Hand vorgewaschen. Dafür musste aber zuerst das Wasser aus den Brunnen gehoben werden. Da die Männer unter der Woche in den Salzbergwerken arbeiten waren, war auch das Aufgabe der Frauen. Danach gingen die Mütter mit ihren Kindern zum nächsten Fluss oder See, um die Wäsche auszuschwemmen.

„Und donn san wir im Winter mit da Wäsch zum See owi gonga, bei -15 Grad woa des a schöne Freizeitbeschäftigung.”

Neben der Waschmaschine ist für sie noch eine Erfindung lebensnotwendig: das Telefon. Als Familie am Land hatte niemand ein Telefon, wenn überhaupt Strom in den abgelegenen Siedlungen vorhanden war. Grundsätzlich ja noch kein Problem, außer es kommt zu einem Notfall. Passierten Unfälle, konnte nicht einfach ein Arzt gerufen werden. Man war damals mehr oder weniger auf sich allein gestellt.

War früher alles besser?

Für Christiane ein klarer Fall.

„Na, owa sicher nid!”

Waschmaschine und Telefon sind für sie die wichtigsten Errungenschaften. Zu schwerfällig war es damals ohne. Aber heute ist auch nicht alles besser. Christiane kann nicht mitansehen, wie sich heute alle schweigend gegenübersitzen. Jeder hat nur noch Augen für sein Handy. Früher hat sie sich abends mit Freundinnen zum Kartenspielen verabredet. Damals wurde man noch nicht von einer neuen WhatsApp-Nachrichten unterbrochen.

Raphaela Andorfer

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Raphaela Andorfer

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