Die Begegnung

St. Pölten im Herbst 2015: In einer Bar lernen sich der Landwirt Herr K. und der arbeitslose Herr C. kennen. Beide befinden sich zu dieser Zeit an einem Tiefpunkt in ihrem Leben: Der Geflügelzüchter Herr K. steckt bis zum Hals in Schulden, insgesamt knapp 670.000 Euro. Für den Ausbau eines Hühnerstalls bräuchte er allerdings einen Kredit.

Herr C., ein gebürtiger Türke, kämpft schon lange gegen seine Drogensucht. Da das Arbeitslosengeld dafür nicht reicht, ist auch er in finanziellen Schwierigkeiten. Zudem hat er bereits Erfahrung mit dem Verkauf von illegalen Suchtmitteln und ist auf der Suche nach neuen Vertriebswegen.

Der Plan

Aus der Not entsteht eine Idee: Auf dem Bauernhof von Herrn K. legen die beiden eine Marihuanaplantage an und verkaufen das geerntete Cannabis anschließend gewinnbringend. Herr C., der nebenbei auch mit Kokain handelte, hat die dafür nötigen Kontakte. Er kümmert sich um die Technik zur Aufzucht der Pflanzen und den Vertrieb.

Herr K. stellt seinen Hof für den Anbau zur Verfügung und versorgt die Setzlinge. Von Herbst 2015 bis November 2017 verkaufen die beiden mindestens 15,5kg Cannabis und besitzen zuletzt stolze 160 Pflanzen. Den Gewinn teilen sie stets 50:50.

Der Hintergrund

Einen neuen Hühnerstall bauen? Schwierig mit über 600.000 Euro Schulden. Woher aber das Geld nehmen, wenn man keinen Kredit bekommt? Naja, den Rest der Geschichte kennen wir ja. Anstelle von einer neuen Hühnerzucht stieg Herr K. allerdings mit 33 Monaten teilbedingt (11 davon in Haft) aus.

Und Herr C.? Hier zeigt sich, wie übel einem das Leben mitspielen kann. Der gebürtige Türke lebt und arbeitet seit Volksschul-Zeiten in Österreich, spricht mit niederösterreichischem Dialekt und ist perfekt integriert.

Dann der Schicksalsschlag, den man sich nicht einmal ausmalen möchte: Sein 2-jähriger Sohn ertrinkt beim Spielen in einem Bach auf dem Grundstück der Schwiegereltern. Ein Schock, von dem er sich nicht mehr erholt. Binnen kurzer Zeit ist Herr C. geschieden, arbeitslos und drogenabhängig. Doch auch die traurigen Gründe für seine Drogensucht können den 53-Jährigen nicht vor seiner 3-jährigen Haftstrafe bewahren, die er nun zu verbüßen hat.

Von Franz Verworner und Fabian Sanin

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