Wie Südkorea Corona den Kampf ansagt

Die ganze Welt blickt momentan auf Südkorea. Denn Südkorea gilt als Paradebeispiel für „richtige Bekämpfung“ des Coronavirus. Schnelles Handeln und flächendeckende Testungen zeigen im Vergleich zu vielen anderen Ländern Wirkung.

©Choi Kwang-mo

Eine Sekte als Epizentrum des Virusausbruchs

Schon Ende Jänner gab es in Südkorea vereinzelt Fälle des Coronavirus. Durch strenge Einreisebedingungen konnte ein größer Ausbruch aber anfangs verhindert werden. Ab dem 19. Februar kam es in der Provinzhauptstadt Daegu jedoch zu stark steigenden Fallzahlen.

Dabei spielte eine 61-jährige Frau die Schlüsselrolle in der Verbreitung des Virus. Diese sogenannte ‚Patientin 31‘ war Anhängerin der Shincheonji Sekte und hat jegliche Virustests zunächst verweigert. Sie ist Anfang Februar weiterhin zu Gottesdiensten gegangen und hat dadurch hunderte andere Mitglieder angesteckt. So hat sich das Virus in Daegu innerhalb kürzester Zeit fast unbemerkt ausbreiten können.

Rasches Handeln als Maßnahme gegen das Virus

Aus früheren Epidemiewellen wie SARS in 2002 und MERS in 2015 hat Südkorea gelernt, dass nun vor allem rasches Handeln nötig ist, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen.

Deshalb wurden Daegu und die umliegende Provinz Cheongdo zur Sonderzone erklärt. Zusätzlich wurde im Land ein nationaler Notstand ausgerufen und die Sicherheitskontrollen erhöht. Die besonders betroffenen Gebiete wurden isoliert und ein Sonderkommando für die Bekämpfung des Virus eingerichtet.

Der Staat setzte alles daran, jene Personen ausfindig zu machen, die mit der ‚Patientin 31‘ Kontakt hatten, um die Infektionskette nachvollziehen zu können. Die koreanische Regierung holte sich dazu trotz Weigerungen der Shincheonji Sekte eine Liste von ca. 200.000 Mitgliedern, um diese auf Covid-19 testen zu lassen. Der Sektenführer Lee Man-hee wurde von der Stadt Seoul wegen Vorenthaltung von Informationen des Mordes angeklagt.

Sicherstellung von Schutzmasken

Nach dem Ausbruch in Daegu stieg der Andrang nach Schutzmasken gewaltig. Um Leute davon abzuhalten, aus dieser Notsituation Profit zu schlagen und Engpässe zu verhindern, setzte die südkoreanische Regierung einige Maßnahmen dagegen.

Der Verkauf von Schutzmasken ins Ausland wurde bis Ende Juni verboten und die Erzeugung großteils verstaatlicht. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Masken zu gewährleisten, hat man die Produktion außerdem fast verdoppelt. Damit die Masken für jeden leistbar sind, werden die Preise kontrolliert und dürfen einen festgelegten Höchstpreis nicht überschreiten. Auch die Anzahl an Notfallartikeln, die man als Einzelperson kaufen kann, wurde begrenzt.

Weiters werden Straßen, Gebäude und öffentliche Plätze regelmäßig desinfiziert. An fast jeder Ecke befinden sich mittlerweile Desinfektionsgeräte: im Lift, in U-Bahn-Stationen und sogar an Ampeln sind diese befestigt. So gelingt es Südkorea Einzelpersonen vor einer Ansteckung zu schützen. Die koreanische Regierung setzt somit nicht auf Ausgangsbeschränkungen, sondern auf Desinfektion und das Tragen von Masken.

Massentestungen der Bevölkerung

Ein weiterer großer Unterschied zu Europa ist, dass Menschen leichteren Zugang zu Covid-19 Tests haben. Die südkoreanische Regierung will mit großangelegten Massentestungen soviele Menschen wie möglich testen. So gelang es schon über 450.000 Covid-19-Testungen durchzuführen. Die Todesrate liegt in Südkorea mit 1,73 % weit unter dem weltweiten Mittel von 5,26 % der WHO.

Um in Korea getestet zu werden, muss man keine Symptome zeigen oder einer Risikogruppe angehören. Die Regierung hat sich bei den Testungen vor allem auf mögliche Kontaktpunkte zwischen Personen fokussiert. Um die Infektionsketten zu unterbrechen, werden dazu die Aktivitäten von Infizierten der letzten 14 Tage zurückverfolgt. Dabei kommen die Daten von Überwachungskameras, Kreditkarten und Handys zum Einsatz.

Anonymisierte Informationen werden regelmäßig veröffentlicht, um Personen, die sich am selben Ort wie Infizierte aufgehalten haben, auf eine mögliche Ansteckung aufmerksam zu machen. Diese Meldungen werden per App, Sms und Pressesendungen ausgesendet.

Überraschende Ergebnisse

Die umfangreichen Testungen ergaben, dass jede dritte positiv getestete Person zwischen 20 und 29 Jahren alt ist. Diese Altersgruppe stellt somit den größten Anteil an Infizierten dar. Die meisten dieser Personen zeigen jedoch kaum oder gar keine Symptome. Sie sind aber nachweislich ansteckende Überträger des Virus.

Diese Ergebnisse unterscheiden sich stark von europäischen Statistiken. In Österreich stellt überraschenderweise die Altersgruppe zwischen 45 und 54 den größten Anteil an Infizierten dar. Die Dunkelziffer an jungen infizierten Personen könnte jedoch auch bei uns deutlich höher sein als statistisch erfasst.

1 Kommentar

  1. Sehr informativ ohne Schwafelei. Gut gelungen. Ruth

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