Was lässt in der Coronakrise noch hoffen?

Aus jeder Krise entsteht eine Chance. Das Coronavirus trifft die moderne Menschheit hart wie kaum eine Krise zuvor und eröffnet ihr gleichzeitig die größte Chance.

Ein Bahnhof in Sydney bei Sonnenaufgang Ein Sonnenaufgang am Bahnhof lässt auf neue Chancen hoffen

Das Coronavirus ist eine globale Herausforderung. Die Krise bringt neben all den negativen Aspekten aber auch positive Erkenntnisse mit sich.

Am meisten eint ein gemeinsamer Feind

Die Welt rückt seit COVID-19 näher zusammen. Der UN-Generalsekretär Guterres fordert einen weltweiten Waffenstillstand, um Millionen Menschen vor dem Virus zu schützen. China, Russland und Kuba haben Ärzte und Schutzkleidung nach Italien geschickt, um das angeschlagene Gesundheitssystem zu entlasten. Baden-Württemberg behandelt schwerkranke Corona-Patienten aus Frankreich. Durch zwischenstaatliche Kommunikation können wichtige Erkenntnisse erlangt und unzählige Menschenleben gerettet werden. London bringt hunderte Obdachlose für zwölf Wochen in Hotelzimmern unter, um sie zu schützen. Wien setzt alle Delogierungen aus, niemand soll während der Coronakrise seine Wohnung verlieren. Auch in Deutschland sollen Mieter wegen Mietschulden in der Coronakrise nicht gekündigt werden dürfen.

Sind Menschen vielleicht doch soziale Wesen?

Zusammenhalt macht sich auch im Alltag bemerkbar. 2.500 Österreicher haben sich bereits zum freiwilligen Zivildienst gemeldet. Nachbarschaftshilfsaktionen, Spendensammlungen und durchdringende Solidarität blitzen zwischen den täglichen Meldungen von Neuinfektionen und Todesraten auf. Der Ton in den sozialen Medien scheint milder geworden zu sein. Es scheint, der kreative und konstruktive Zusammenhalt in der Krise übertöne Hate Speech und Shitstorms auf Facebook und Co. Das klassische „Mit freundlichen Grüßen“ am Ende einer Nachricht wird durch ein „Bleib gesund!“ ersetzt. Trotz der sozialen Distanz scheint es eine verstärkte seelische Nähe zu geben.

Wer hält das System am Leben?

In einer derartigen Ausnahmesituation zeigt sich, was eine Republik zusammenhält: Ein funktionierender Sozialstaat. Trotz heruntergefahrener Wirtschaft ist die Welt noch nicht untergegangen. Stimmen nach dem bedingungslosen Grundeinkommen werden wieder laut. Am Beispiel Italien erkennt man, dass es im Gesundheitssystem keine Einsparungen geben sollte. Fachkräfte aus der Pflege, aus dem Einzelhandel und viele weitere, unterbezahlte Berufsgruppen retten gerade das Leben ihrer Mitmenschen. Die Krise hat gezeigt wie wertvoll unabhängige, regionale und autonome Produktionen sind.

Menschenfeindliche Parolen verstummen

Rechtsradikale haben es schwer in diesen Zeiten. Durch den verstärkten gesellschaftlichen Zusammenhalt fällt das Spalten schwer. Die Parteien am rechten Rand tragen auffallend wenig zur Überwindung dieser Krise bei. Es gibt keine Sündenböcke, weil das Virus nicht von Migranten eingeschleppt wurde. Autokraten wie Trump, Bolsonaro und Xi Jinping haben durch anfängliches Herunterspielen der Problematik stark an Vertrauen verloren. Laut aktuellen Umfragen sinken die Werte der Rechtspopulisten in mehreren Ländern.

Der Mensch steht still, die Erde atmet auf

Viele Länder, darunter auch Deutschland, können voraussichtlich durch das eingeschränkte Leben der letzten Wochen ihre Klimaziele für 2020 erreichen.
In Venedig sind die Flüsse wieder sauber. Die Luftverschmutzung in China und Italien hat stark abgenommen. Laut Schätzungen von Fachärzten wurden alleine durch die saubere Luft in China zehntausende Leben gerettet. Das heißt, Umweltschutz ist möglich und Umweltschutz wirkt. Virologen und Experten sind die Helden dieser Krise. Die Wissenschaft erlebt einen vermehrten Zuspruch aus der Bevölkerung. Auch die Quarantäne tut manchen Menschen im privilegierten Europa gut. Sie lernen zu verzichten, zu entschleunigen, können Zeit mit ihren Liebsten verbringen und vernachlässigten Hobbys nachgehen. Ein rares und wertvolles Gut ist plötzlich verfügbar: die Zeit. Zeit für Spaziergänge in der Natur, gesundes Kochen, bewusstes Essen und das Lesen von Büchern.

Digitalisierung rockt die Krise

Die Digitalisierung erlebt einen beschleunigten Aufschwung und wird die Arbeitswelt langfristig verändern. Schulen und Betriebe, die sich bis vor kurzem noch an analoge Arbeitstechniken festgeklammert haben, werden spätestens jetzt ins kalte Wasser geworfen. Home-Office, Videokonferenzen und E-Learning funktionieren, flexible Arbeitszeiten sind möglich und für ein Business Meeting ist der Tagestrip in eine ferne Stadt gar nicht nötig. Auch der UN-Sicherheitsrat tagt wegen Coronavirus erstmals per Videokonferenz. Und bekanntlich entstehen in Notsituationen die innovativsten Ideen. Newton hat beispielsweise in seiner Quarantäne während der Pest das Gravitationsgesetz entdeckt.

Aufschwung und Vorfreude

Durch den sozialen Verzicht, der heute bereitwillig in Kauf genommen wird, werden die Freiheiten, die danach zurückerlangt werden, so süß sein wie nie zuvor. Der italienische Soziologe Franco Ferrarotti meint, es wird eine Explosion an Lebensfreude geben und einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, ähnlich wie nach dem Krieg. Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek spricht von einer Neuorganisation der Weltwirtschaft, in der große solidarische Zusammenarbeit die hilflose Auslieferung an Marktmechanismen überwindet. In China soll es laut Behörden keine Neuinfektionen mehr geben. Das heißt, dass das Virus mit den richtigen Maßnahmen und etwas Geduld überwunden werden kann. Jetzt liegt es an den Menschen durchzuhalten, sich auf das zu freuen, was nach der Krise kommt und die wertvollen Erkenntnisse der Krise nicht zu vergessen.

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