Die Fußball-WM in Russland wird international kritisch betrachtet und wirft moralische Fragen auf. Dass es sich bei der WM nicht nur um ein sportliches Ereignis handelt, sondern unausweichlich auch politische Folgen mit sich bringt, spielt Präsident Putin in die Hände.

Putin war bisher unzufrieden mit den sportlichen Leistungen der russischen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren und fordert das Team nun auf, sein Land würdig zu vertreten. Die russische Mannschaft solle „möglichst lange im Wettbewerb bleiben“, so der Präsident. Egal wie weit das russische Team im Wettkampf kommen sollte, mit dieser WM hat Putin schon gewonnen.

Modernisierungsprogramm

Mit ungefähr 12,2 Milliarden Euro gilt die Fußball-WM in Russland als teuerste aller Zeiten. Mit diesem Geld wurden zwölf Stadien, Straßen, Flughäfen und Hotels in den elf WM-Städten gebaut und erneuert. Der Vorteil für Russland liegt darin, dass die Fristen und Standards für die Fertigstellung der Bauten von der FIFA vorgegeben wurden und somit schnell vollzogen worden sind. Bauprojekte in Russland können sich regulär sehr lange hinziehen. Der Preis dafür ist, dass Gastarbeiter aus Zentralasien unter schwierigen Bedingungen arbeiten mussten und das teilweise sogar unbezahlt. Russland könnnte durch diese Neuerungen internationaler Anerkennung erlangen und sich sogar mit Sportnationen wie der USA gleichstellen.

Identität und Stolz

Für Präsident Putin gilt die Gleichung WM = Großmacht. „Die UdSSR war eine Großmacht dank des Sports. Putin glaubt an diesen Zusammenhang noch heute“, so Politikberater Gleb Pawlowski. Putin galt schon immer als ein Sportler, der den Wettkampf suchte und sich auch so präsentiert. Vor dem Staatsfernsehen inszenierte er sich beim Eishockeyspielen oder auf der Fischjagd. Sport gilt als wichtiger Bestandteil seiner Politik, wie schon die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zeigten. Die emotionalen Bilder solcher Ereignisse stiften Identität und Stolz in einem Land, das nach dem Zerfall der Sowjetunion immer noch nach dem eigenen Weg sucht.

Ablenkung von Konflikt und Krieg

Die WM bietet Putin außerdem die Möglichkeit, sich als Staatsmann in Szene zu setzen. Der Besuch internationaler Politiker und die Aufmerksamkeit auf den sportlichen Aspekt stellt aktuelle Konflikte Russlands in den Schatten. Der Krieg in der Ostukraine, die 298 Toten der MH17-Maschine oder die Unterstützung des syrischen Diktators al-Assad geraten durch die WM in den Hintergund. Die FIFA gibt sich trotz internationalem Aufsehen offiziell unpolitisch.

Bildnachweis: „Vladimir Putin FIFA World Cup Trophy Tour kick-off ceremony“ by Фото пресс-службы Президента России, CC BY 4.0