Hat man in einer solchen Situation als Medium Aufklärungspflicht oder gilt hier eher der Grundsatz: Reden ist Silber – Schweigen ist Gold?

Selbsttötung ist nach wie vor ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, in einem sozialen System, in dem psychische Krankheiten oft mit Schwäche, ja sogar Versagen assoziiert werden. Fakt ist jedoch, die Zahl der Menschen, die an einer psychischen Krankheit leiden, ist in den letzten Jahren rapide gestiegen.

Wie berichten Österreichs Medien?

In Österreich haben sich die meisten Medien zur Selbstregulierung verpflichtet. Das heißt, über Suizid wird entweder gar nicht oder nur mit äußerster Vorsicht berichtet.

Viele sprechen im Zusammenhang mit medialer Berichterstattung auch vom sogenannten „Werther-Effekt“ – Doch was ist damit gemeint? Im Buch „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang Goethe nimmt sich die Hauptfigur das Leben. 1774 kam es in Folge dieses Freitods zu einem massiven Anstieg an Selbstmorden unter Jugendlichen, die sich mit der Figur identifizierten und diese nachahmten.

Im Falle des kürzlich verstorbenen jungen Künstlers berichteten einige Medien sehr genau, sogar auf der Titelseite, wie er sich das Leben genommen hatte – Ein Star, zu dem unzählige junge Menschen aufsahen und ihn zum Vorbild nahmen.

Wäre es hier nicht besser gewesen, diese Schlagzeile nicht zu verwenden und somit erstens die Würde des verstorbenen Menschen zu erhalten und zweitens hoffentlich nicht dadurch zum Verantwortlichen für Nachahmungstaten zu werden?

„Tote Mädchen lügen nicht!“

Weiters erzählt die vor circa einem Jahr erschienene Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ von einer jungen Frau, die sich das Leben genommen hat. Zuvor hat sie aber  Hörkassetten verschickt, auf denen sie mit verschiedenen Mitschülern noch offene Rechnungen begleicht. Forscher der San Diego State University werteten drei Wochen nach Erscheinen der Serie die Anfragen bei Google aus. Suchanfragen zum Thema „Suizid“ hatten sich knapp um ein Fünftel erhöht, sprich das Wort wurde 1,5 Millionen Mal öfter gegoogelt.

Doch was sich in jüngster Zeit in einigen Medien zugetragen hat, ist weder ethisch vertretbar noch seriös. Die Ehre und der Schutz des Opfers sollten immer an oberster Stelle stehen und das tun sie ganz sicher nicht, wenn man die exakt beschriebene Tatwaffe als Verkaufsschlager nutzt.Auch gegenüber den Hinterbliebenen des Opfers ist diese Berichterstattung weder rücksichtsvoll noch fair.

Bevor man also das nächste Mal auf Kosten des tragischen Todes eines Menschen Schlagzeilen machen will, sollte man sich selbst fragen, wie man von einem Familienmitglied im Falle eines solchen Unglücks selbst in der Zeitung lesen möchte. Und das impliziert sicher nicht durch ein Foto übertrieben zur Schau gestellte psychische Instabilität und in Großbuchstaben hervorgehobene Alltagsgegenstände, mit denen sich ein/e Verzweifelte(r) in einem kurzen Moment der Ausweglosigkeit das Leben genommen hat.