Leopoldstadt

Kaum ein Bezirk wandelt sich so rasant wie der zweite Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt. Junge Menschen ziehen zu, neue Lokale eröffnen, aber gleichzeitig wachsen auch die Missstände.

Lebenswert, aber immer teurer

Inge* ist knapp 70 Jahre alt und lebt beinahe ihr ganzes Leben in der Leopoldstadt. Ihre Kinder sind hier geboren, sie hat hier geheiratet und lebt seit 40 Jahren in ihrer Wohnung im Karmeliterviertel. Die Pensionistin fühlt sich hier wohl, sie mag die Gegend und die Leut‘. In den letzten Jahren seien viele neue Reiche hierhergezogen. Der Bezirk ist moderner und belebter geworden, aber auch teurer. Der Karmelitermarkt ist für Inge das Highlight des Bezirks – hier trifft man freundliche Nachbarn, kauft beim Händler des Vertrauens ein und genießt gutes Essen. „Der Markt hat extrem gewonnen über die Jahre. Die Preise sind zwar gestiegen, aber man kriegt viele Spezialitäten“, erzählt Inge.

Pensionisten, junge Leut’ und orthodoxe Juden

In der Leopoldstadt herrscht stets ein reges Treiben. Morgens sieht man Pensionisten beim Einkaufen und große jüdische Familien vor den Synagogen. Abends besetzen die jungen Leut‘ und Studenten den Donaukanal und die Lokale. „Vor 40 Jahren war das ganz anders. Da gabs vielleicht ein, zwei Lokale am Donaukanal“, sagt Inge. „Der Donaukanal g’hört jetzt den Jungen, da haben wir nichts mehr verloren.“

Praterstern und Praterstraße werden gemieden

Die Praterstraße, die früher als Nobelstraße galt, hat sich ins Negative verändert. Dies bestätigt auch Inge. Als Frau fühle sie sich abends am Praterstern nicht mehr sicher. Sogar Rauschgift sei der Pensionistin schon angeboten worden. Hier wird gebettelt, getrunken und gepöbelt. Wien versucht nun mit dem Alkoholverbot am Praterstern, das Ende letzter Woche in Kraft getreten ist, den Zuständen entgegenzuwirken. Man erhofft sich eine Zerstreuung der Szene und erhöhte Sicherheit am Umschlagpunkt Praterstern. Wie wirkungsvoll das neue Gesetz tatsächlich ist, wird die Zukunft zeigen…

*Name von der Redaktion geändert

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