War früher alles besser? Dieses Jahr wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre 1968. Die 68er-Bewegung gilt als gesellschaftlicher, politischer und sozialer Wendepunkt und sorgt auch in der heutigen Zeit noch für Diskussionen: War sie entscheidend für den Weg in die moderne Gesellschaft? Oder hat die Revolution Wertverlust und den Zerfall familiärer Strukturen bewirkt?

1968 brachte zahlreiche Veränderungen. Vor allem soziale Leistungen spielten für die damaligen Familien eine große Rolle. Die größte durchschnittliche Kinderzahl hatten damals die Familien von Landwirten und Arbeitern. Das war gleichzeitig die Gruppe mit dem geringsten Durchschnittseinkommen. Nach und nach führte der Staat ab 1950 gewisse Förderungen wie Familienbeihilfe und Geburtenbeihilfe ein. Trotzdem war von Wohlstand noch lange keine Rede.

Hildegard F. (87) kam 1955 mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Kärnten. Sie lebten 7 Jahre lang in einer kleinen Zweizimmerwohnung. „Wir haben zu viert in einem Zimmer geschlafen“, erzählt Hildegard. Später sogar zu fünft. Dies sollte aber nur eine Übergangslösung sein, bis das eigene Haus errichtet ist. Dafür wurde aber Geld benötigt.

Sparen war an der Tagesordnung

Sie sparten jeden Cent, um so schnell wie möglich aus der winzigen Wohnung zu kommen. Auch einen Kredit mussten sie aufnehmen.

Hildegard packte selbst jeden Tag von früh bis spät beim Hausbau mit an. Auch Nachbarn und Freunde halfen, was damals Gang und Gäbe war. Man unterstützte sich untereinander, denn man hatte selbst nicht viel. Trotzdem dauerte es 4 Jahre bis das Haus endlich bezugsfertig war.

Doch auch mit Eigenheim war an Wohlstand nicht zu denken. Die bald siebenköpfige Familie musste weiterhin sparsam sein, um vom Gehalt des Familienvaters leben zu können. Die meisten Kleider für die Kinder nähte Hildegard selbst. „Wenn wir einmal was gekauft haben, dann nur das  billigste aus dem Ausverkauf“, berichtet Hildegards Tochter (55). Im Sommer waren sie durch Gartengemüse fast Selbstversorger. Fleisch gab es nur einmal in der Woche.

Elektrogeräte waren nicht leistbar

An Geräte wie Radio und Fernseher brauchten die meisten Familien  in den 60ern gar nicht erst zu denken. „Ein Fehrnseher hat damals etwa 10.000 Schilling gekostet, und mein Mann hatte einen Monatsgehalt von etwa 1500 Schilling.“

Auto gab es auch keines. Sie nahmen das Fahrrad oder gingen zu Fuß. Nur Hildegards Mann hatte ein kleines Motorrad für längere Strecken. Als die ersten Kinder eigenständig waren, wurde es leichter.

Den ersten Fernseher hat übrigens der älteste Sohn mit nach Hause gebracht. Er war Lehrjunge bei einem Elektro-Fachhändler. Wenn er es schaffte, das kaputte Gerät zu reparieren, dann durfte er ihn behalten. Sein Erfolg brachte der Familie den ersten eigenen Fernsehapparat.

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