Verbot gilt auch für Vergewaltigungsopfer

Im streng katholischen Irland steht das strikte Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen schon seit 1983 in der Verfassung. Jährlich lassen rund 3500 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch außer Landes vornehmen, weitere geschätzte 2000 greifen illegal auf Abtreibungspillen zurück – obwohl auf einen illegalen Abbruch bis zu 14 Jahre Haft stehen. Abtreibungen sind auch bei Vergewaltigungen, Inzest und selbst dann, wenn der Fötus keine Überlebenschancen hat, untersagt.

Bis 2013 waren Schwangerschaftsabbrüche auch dann verboten und unter Strafe, wenn das Leben der Mutter in akuter Gefahr war. Der Fall der indischen Zahnärztin Savita Halappanavar 2012 sorgte für einen Aufschrei und setzte die Irische Regierung unter Druck. Savita kam ums Leben, nachdem ihr mit Verweis auf die Rechtslage eine Abtreibung verweigert wurde. Sie hatte in der 17. Schwangerschaftswoche eine Infektion der Plazenta, die zu einer Sepsis führte. Da das Herz des Babys noch schlug, griffen die Ärzte nicht ein. Einige Tage später starb die 31-Jährige an der Blutvergiftung nachdem sie ein totes Kind zur Welt gebracht hatte. Ihr Porträt wurde zum Gesicht der Ja-Kampagne.

„Eine stille Revolution hat stattgefunden.“

Bereits in dieser Woche soll das irische Kabinett einen Gesetzesentwurf diskutieren, der Schwangerschaftsabbrüche künftig bis zur zwölften Woche erlauben soll – bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter auch über diesen Zeitraum hinaus. Bis Ende des Jahres soll das Gesetz dann vom Parlament verabschiedet werden.

„Eine stille Revolution hat stattgefunden, ein großartiger Akt von Demokratie“, twitterte der irische Premierminister Leo Varadkar. Die Bürger hätten deutlich gemacht, „dass sie eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen.“

Die Gegner einer Gesetzeslockerung bedauern den Ausgang des Referendums und nennen das Ergebnis eine „Tragödie historischen Ausmaßes.“

Gedanken der Menschen zur Abstimmung auf bunten Post-it CC0 Public Domain

„Ein wichtiger Schritt“

In Österreich ist ein Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen der Frau und ohne medizinischen Grund legal, solange er vor der 16. Schwangerschaftswoche von einem Arzt nach vorheriger Beratung durchgeführt wird.

Beate (28) treffe ich auf der Mariahilferstraße, sie ist gerade auf dem Weg nach Hause. Auf meine Frage wie sie zu dem Thema Schwangerschaftsabbruch und dem Verbot dazu in Irland steht erzählt sie mir: „Ich hatte mit 17 selbst einen Schwangerschaftsabbruch und bin froh, dass ich damals nicht in ein anderes Land musste oder Angst haben musste ins Gefängnis zu kommen. Meiner Meinung nach, ist es ein wichtiger Schritt für Frauen.“

„Das Gesetz sollte Frauen nicht vorschreiben dürfen, wie sie mit ihrem eigenen Körper umzugehen haben.“

Auf die Frage ob sie es denn bereuen würde und ob sie es jemandem erzählt hatte sagte sie: „Ich bereue es nicht. Ich war damals jung, mitten in der Ausbildung und mein Freund hatte mich gerade verlassen. Ich wäre finanziell aber auch psychisch einfach nicht in der Lage gewesen ein Kind zu bekommen, geschweige denn es 9 Monate in mir zu tragen. Mittlerweile habe ich ein Kind und liebe es über alles. Ich kann meiner Tochter alles bieten, bin verheiratet mit dem tollsten Mann und Vater auf der Welt und plane auch schon das zweite Kind. Erzählt habe ich es nur meinen Eltern, meiner besten Freundin und meinem jetzigen Ehemann. Ich weiß, dass es bei vielen Menschen nicht gut ankommt und wollte nicht als Mörderin oder ähnliches bezeichnet werden. Es war damals keine leichte Entscheidung und es war auch nicht einfach den Abbruch durchführen zu lassen, aber es war einfach nötig. Ich wäre an einer Schwangerschaft und der Geburt zerbrochen.“

„Abtreibungen sind problematisch“

Doch auch ganz andere Meinungen kamen mir bei meinen Recherchen und Interviews über den Weg.

Daniel (32) sieht Abtreibungen als problematisch an. „Meiner Meinung nach sollte es nur erlaubt sein, wenn das Leben der Mutter wirklich auf dem Spiel steht. Auch ungeborenes Leben und auch wenn es anfangs nur ein Zellklumpen ist, sollte geschützt werden. Man kann das Kind, wenn man sich nicht in der Lage fühlt es aufzuziehen, ja genauso zur Adoption freigeben. Wenn man Sex hat, besteht eben das Risiko einer Schwangerschaft. Jede Frau, die Sex hat, sollte sich dessen auch bewusst sein und zu ihren Taten stehen und sie nicht einfach mit einer Abtreibung ungeschehen machen.“

Doch auch, wenn die Meinungen mitunter sehr auseinander driften, zeigt sich doch, dass sich die meisten gegen ein striktes Abtreibungsverbot aussprechen. Im laufe meiner Interviews und Recherche habe ich 45 Personen auf der Mariahilferstraße befragt. 39 von diesen 45 Personen gaben dabei an, dass sie das Österreichische Gesetz befürworten und Schwangerschaftsabbrüche legal sein sollten. Befragt wurden 23 Frauen im Alter von 20 bis 65 und 22 Männer im Alter von 23 bis 69. Davon gaben fünf Männer und eine Frau an, dass sie gegen Schwangerschaftsabbrüche seien und diese nur in extrem Fällen erlaubt sein sollten und das Österreichische Gesetz zu locker sei.

 

Bildnachweis:„About Ten Thousand People Attended A Rally In Dublin In Memory Of Savita Halappanavar“ by William Murphy, (CC BY-SA 2.0