Galina Z. arbeitet seit fünf Jahren an dem Brennpunkt in Wien: In einem Fast-Food Restaurant am Praterstern. Sie hat den Wandel des Bahnhofes miterlebt und berichtet, ob es hier wirklich so gefährlich ist, wie in den Medien beschrieben wird.

„Der Praterstern war schon immer ein Treffpunkt von unterschiedlichsten Menschen. Hier siehst du jeden – vom Junkie bis zum Businessmann.“

„90 Prozent davon sind tatsächlich Menschen mit Migrationshintergrund. Viele, die sich hier treffen, sind obdachlos und nehmen Drogen. Ich muss aber ehrlich sagen, dass das schon vor fünf Jahren so war, als ich hier zu arbeiten begonnen habe. Das sich das jetzt durch die Flüchtlinge verstärkt hat, finde ich nicht. Aber ich kann verstehen wenn man sich hier, vor allem als Frau, am Abend nicht lange aufhalten will. Auch wenn mir persönlich noch nie etwas passiert ist, bin ich immer froh, wenn mein Mann mich nach der Abendschicht abholt. Schon die Blicke der Männer hier empfinde ich als unangenehm.“

Mario H. arbeitet schon 25 Jahre als Polizist in Österreichs Hauptstadt. Gibt es vermehrt Einsätze seit 2015?

„Bei Einsätzen unterscheide ich nicht zwischen Herkunft, sondern für mich zählt ob ein Mensch schuldig oder unschuldig ist. Welche Nationalität dieser hat sollte und darf dabei keine Rolle spielen!“

„Schwer zu verallgemeinern, aber es werden schon oft Menschen mit Migrationshintergrund bei Drogendelikten erwischt. Aber viele meiner Kollegen kontrollieren auch eher solche Leute auf Drogenmissbrauch, als ein blondes Mädchen. Bei der Polizei herrscht momentan kein so gutes Klima gegenüber geflüchteten Menschen. Viele befürchten, dass sich die Kriminalität verstärkt. Ich war auch schon öfter bei Inhaftierungen in die Schubhaft dabei. Manchmal wurden auch Familien mit kleinen Kindern abgeschoben, das war schon sehr hart. Natürlich können nicht alle in Österreich bleiben, aber ich bin froh nicht in der Position zu sein, in der man Anträge prüfen und über Bleiben oder abgeschoben werden entscheiden zu müssen. Bei Einsätzen unterscheide ich nicht zwischen Herkunft, sondern für mich zählt ob ein Mensch schuldig oder unschuldig ist. Welche Nationalität dieser hat sollte und darf dabei keine Rolle spielen!“

Einen ganz anderen Einblick hat Ivan S. Der gebürtige Kroate arbeitet in Wien als Bauarbeiter und lernt so täglich neue Menschen auf Baustellen kennen.

„Hier wird wirklich kein Wort mehr Deutsch gesprochen. Aber da sind sehr wenige Flüchtlinge, sondern eher Leute aus dem Balkan.“

„Österreicher sieht man eigentlich kaum, ich glaube die wollen so eine Arbeit auch gar nicht machen. Einmal hat ein Syrer mit mir gearbeitet, der ist auch 2015 nach Wien gekommen. Der hat aber richtig geschuftet und hat besser Deutsch gekonnt, als so manche die schon 30 Jahre im Land sind. Aber ich finde schon, dass man unterscheiden muss wen man aufnimmt. Wer einmal straffällig geworden ist, den sollte man gleich abschieben. Als ich damals nach Wien gekommen bin, war das einfacher man durfte sofort arbeiten und Geld verdienen!“

Die 23 –jährige Jusstudentin Anna M. lerne ich im Zuge meiner Recherche auf der Mariahilferstraße kennen. Sie ist gerade dabei Ostergeschenke für ihre Neffen zu kaufen. Auf meine Frage hin, wie sehr sich Flüchtlinge auf ihr Leben auswirken, antwortet die gebürtige Niederösterreicherin:

„Ich muss ehrlich gestehen, ich habe eigentlich nur positive Erlebnisse gehabt.“

2015 habe ich am Westbahnhof mitgeholfen und so einen kleinen Einblick bekommen. Die Menschen waren total dankbar und haben sich sehr über unsere Hilfe gefreut. Natürlich waren hier auch einige junge Männer, die alleine geflüchtet sind,welche  sich mir gegenüber aber sehr respektvoll verhalten haben. Einige Freunde von mir helfen ehrenamtlich in Asylheimen aus, auch die berichten eigentlich AUSSCHLIEßLICH Positives. Schlimm ist aber wirklich, dass die Menschen so lange auf ihre Bescheide warten müssen. Die sitzen dann teilweise zwei Jahre ohne Beschäftigung nur herum, dass da manche auf dumme Gedanken kommen, ist irgendwie auch nachvollziehbar.“

So unterschiedlich die befragten Menschen waren, so unterschiedlich war auch ihre Meinung hinsichtlich geflüchteter Menschen. Ein Satz ist mir aber verstärkt im Gedächtnis geblieben, denn alle vier gesagt haben: Verallgemeinern schürt nur Hass und Angst – man sollte sich sein eigenes Bild machen und dann erst urteilen!

 

Kommentieren Sie den Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar!
Geben Sie bitte Ihren Namen ein